Sissi - The World Of Bluesbird

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In Memory
Sissi die Superheldin

Wie soll man die richtigen Worte finden, SISSI so zu beschreiben, dass die Leser dieser Zeilen wirklich verstehen können, dass diese Hündin einmalig war?
Es gibt keine Worte ihre Persönlichkeit, ihre Energie, ihr Charisma angemessen zu beschreiben.
Rein optisch war SISSI zugegebenermaßen nix Besonderes: klein, schwarz, pummelig.
Doch ihr Inneres hatte eine Größe und Stärke, die einzigartig einmalig war. „Aufgeben ist nicht “, war ihr Lebensmotto und das hat sie sicher auch über lange Jahre hinweg, das Leben gerettet.
Geboren und aufgewachsen bei einem Hundevermehrer, der sie als Gebährmaschine „genutzt“ hat, verbrachte sie die Jahre bis zu ihrer Beschlagnahmung mehr oder minder ausschließlich in einer dunklen Scheune.
Als sie zum Tierschutz kam, war sie in einem erbarmungswürdigen Zustand. Eigentlich war Alles an der Hündin entzündet, vereitert, infiziert… Sie war abgemagert, die Haut voller Geschwüre und Exzeme, die Gebärmutter vereitert, sie hochfiebrig über Wochen…. Lange war nicht klar ob und in welchem Zustand sie die notwendigen Behandlungen überleben wird. Doch schon da wurde deutlich: SISSI ist eine Kämpferin, die sich nicht aufgibt.
Und so kam sie in unsere Familie und der erste Eindruck war, dass wir dem armen Hund noch die Chance auf einen schönen Lebensabend geben wollen. Dabei dachten wir eher in Monaten, als in Jahren, denn das Lebensalter von SISSI wurde auf irgendwas um 10 Jahre geschätzt.
Doch SISSI gesundete so nach und nach, die kaputten Öhrchen heilten, die Augen wurden klar, der Ekzembefall schwand, das Fell wuchs an den kahlen Stellen wieder nach und sie nahm zu und baute Muskeln auf. SISSI, die in den ersten Wochen mit einem Ruheplatz auf der Couch und kleinen Runden im Garten völlig ausgelastet und zufrieden war, wurde ein sehr unternehmungslustiges und zunehmend energisches Hündchen, das es wirklich faustdick hinter den Ohren hatte und uns mit ihren Einfällen und Ansprüchen ganz schön forderte.
„Jetzt erst Recht und das Beste kommt noch“ – das war nun ihre feste Überzeugung und sie setzte Alles dran, da auch nix zu verpassen und nix auszulassen.
Stubenmanieren kannte sie keine und dass das was Menschen sagen irgendetwas mit ihr zu tun haben sollte, war ihr auch völlig fremd. Aus ihren bisherigen Lebensumständen heraus völlig erklärlich. Die Zwei- und Vierbeiner in der Familie hatten alle Hände und Pfoten voll zu tun, SISSIs Erkundungsdrang und ihr einnehmendes Wesen irgendwie allgemeinverträglich zu kanalisieren und in familientaugliche Bahnen zu lenken.
Dass SISSI ihre Interessen mit ausgesprochen ausgeprägtem Durchsetzungsvermögen kaum zahngreiflich sondern eher mit viel strategischen Geschick und intensiver Beharrlichkeit ausgelebt hat, machte es nicht immer einfacher. Und es kam nicht selten vor, dass der Leitspruch in der Hundehaltung: „Konsequenz ist Alles“ eher von SISSI als von den Zweibeinern Rechnung getragen wurde.
In der Rückbetrachtung dauerte es wohl fast 2 Jahre, bis von allen Beteiligten ein Arrangement gefunden war, mit dem jede/r zufrieden war. Alle Seiten machten Kompromisse: SISSI konnte sich dann doch dazu entscheiden, dass nicht Alles was diese Welt zur Verfügung stellt ausschließlich ihres war und wir hatten eingesehen, dass SISSI ein hohes Maß an Selbstbestimmung braucht und sie eher Anregungen, als Anweisungen berücksichtigt vor Allem auch dann wenn diesen in Form von Leckelie Nachdruck verliehen werden.
Als somit das Wesentlich geklärt war, hatten wir einige sehr, sehr tolle und unbeschwerte Jahre miteinander, in denen wir unendlich viele ganz zauberhafte Erlebnisse miteinander teilten. Davon zu berichten, würde Seiten füllen und eine tagefüllende Lektüre sein.
Irgendwann halten SISSI aber ihre Lebensjahre ein und ihr marodes Knochengerüst ließ sie einbrechen: HD, Spondylose, Arthrose n in allen Gelenken…. Lähmungserscheinungen in der Hinterhand, Kotinkontinenz. Die behandelden Tierärzte sahen ihr Lebensende nah.
Doch SISSI hatte andere Pläne. Hochversorgt mit Schmerzmedikamenten (damit die letzten Lebensmonate schmerzfrei sind) kam sie wieder auf die Füsschen und setzte mit Erfolg ihre Beharrlichkeit und ihr Durchhaltevermögen voll ein, um mit uns noch weitere Jahre zu erleben. Auch wenn es zwischendurch immer mal Schwächelphasen gab, so kämpfte sie sich doch immer wieder ins Geschehen zurück und könnte für so manches Wesen, das zerfließend in Selbstmitleid die Segel streicht, ein leuchtendes Vorbild sein.
Selbst ein im letzten Herbst auftretendes Vestibulär Syndrom, dass sie für 2, 3 Tage völlig niederrang, hat sie mit ihrem Mut, ihrer Stärke und ihrem Lebenswillen überstanden und überwunden.
Und doch kam nun der Tag an dem jeder Kampf aussichtlos auf Erfolg war. Nachdem wir noch einen wunderschönen gemeinsamen Ostseeurlaub genossen haben, an dem sie keinerlei Anzeichen von besonderen gesundheitlichen Problemen zeigte sondern ganz im Gegenteil fit und engagiert an den Spaziergängen teilnahm… bildete sich ein paar Tage nach dem Urlaub auf Grund einer scheinbar plötzlich auftretenden Herzschwäche ein Lungenödem. Die eingesetzten Medikamente zeigten leider nicht die erhoffte Wirkung und sie litt zunehmend unter Atemnot und Schwäche.
Am 03.05.2016 haben wir sie gehen lassen.

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